Meine erste Tochter wird nun bald viereinhalb Jahre alt. Sie ist unser Sonnenschein und unser ganzer Stolz. Ein wunderschönes Mädchen, sehr schlau, kreativ, extrem selbständig. Corina hatte immer schon einen sehr starken Willen und wir haben mit Ihr eine ausgeprägte und ausgedehnte Trotzphase durchlebt. Man könnte schon behaupten das Corina sehr stur ist und oft mit dem Kopf durch die Wand möchte. Sie liebt Ihre Schwester über alles und hat eine sehr innige Beziehung zu Ella, doch die Eifersucht hat diese oft getrübt. Mittlerweile sind sie ein super Team und unzertrennlich. Natürlich hat Corina, als Erstgeborene die Hosen an und bestimmt meist ganz dominant den Spielablauf und die Regeln. Geschwister Zwist steht dann oft auf der Tagesordnung.

Corina war im Kinderkrippen Alter sehr oft krank, ein Infekt folgte dem nächsten. Ihr Gehör wurde dadurch beeinträchtigt, was eine schlampige Aussprache zur Folge hatte. Sie hat viele Buchstaben ausgetauscht, f, s, ch, sch, sp und st. Die erste HNO Untersuchung hat dies bestätigt, jedoch ein halbes Jahr später war alles wieder in bester Ordnung. Ihre Aussprache wurde aber trotzdem nicht besser und ich war wohl die Einzige die sie wirklich gut verstanden hat.

Da alle Schwierigkeiten hatten Corina zu verstehen, und das auch schon frustrierend für sie war, schickten wir Corina zu einer Logopädin. Da hat sie zwar zwangsweise mitgemacht, aber richtige Fortschritte sind leider komplett ausgeblieben. Immer wenn ich mit Ihr üben wollte, auch nur spielerisch, im Alltag eingebaut, musste ich mir folgendes anhören: „Mama ich bin müde, lass mich doch in Ruhe, ich will nicht schön sprechen, ich rede ab sofort nur mehr Englisch. (Wir gehen in die English Playgroup) Ich habe ihr nie gesagt, dass sie etwas falsch sagt, sondern habe alles immer nur richtig wiederholt. Ich hätte es aber genauso gut einer Wand sagen können – sie hat mich immer nur ignoriert.

Ich habe erkannt, dass ich Ihr so nicht weiterhelfen kann und hab nach Alternativen gesucht, aber keine gefunden. Eines Tages bin ich zufällig, über eine andere Recherche, auf ein Buch vom Albarello Verlag www.albarello.de gestoßen. Corina liebt Bücher und Vorlesen und obwohl ich mir keine großen Hoffnungen gemacht habe, hab ich das Buch „Der Zauberrabe oder Richtig gut sprechen lernen macht Spaß“ von Julia Volmert und Susanne Szesny gekauft. Ich war von dem Buch und besonders von den Illustrationen von Anfang an begeistert. Es handelt vom Zauberraben Albert, der durch einen nicht ganz geglückten Zauberspruch aus dem Zauberreich herausgezaubert worden und versehentlich in Lauras Puppenbett gelandet ist. Albert kann nicht gut zaubern, weil er die Zaubersprüche undeutlich ausspricht. Laura beschließt Albert zu helfen, damit er ins Zauberland zurückkehren kann. Sie treffen im Zauberland auf Steintrolle, Hexen, Elfen, Einhörner, Drachen und Kobolde. Die Geschichte regt die Fantasie an, ist sehr unterhaltsam und sprachpädagogisch sehr wertvoll.

Wie durch Zauberei, natürlich nicht gleich nach dem ersten Mal Vorlesen, hat Corina angefangen die Wörter richtig auszusprechen bzw. nachzusprechen. Mittlerweile spricht sie ganze Sätze nach und korrigiert jedes falsch eingelernte Wort mit einer Selbstverständlichkeit, dass ich nur so staune. Es ist ihr offensichtlich „der Knopf“ aufgegangen. Es ist so schön diese Verwandlung zu beobachten, weil sie selbst die Größte Freude daran hat plötzlich  „Schön zu sprechen“. Insgeheim wusste ich immer, dass sie es könnte, wenn sie nur wollte. Es ist tatsächlich war –  der Glaube kann Berge versetzen. Ich bin so stolz auf sie.

Kinder sprechen eine andere Sprache als wir Erwachsene. Wir sind im Laufe unseres Lebens für so vieles blind geworden. Wir haben im Alltag oft wenig Geduld und setzen bei unseren Kindern Dinge voraus, die für sie noch lange  nicht altersgerecht sind. Mein Fazit: Man darf Kinder nicht zu sehr unter Druck setzen, dass kann oft ein Schuss nach hinten sein. Man muss versuchen die Welt durch die Augen der Kinder zu sehen und die Magie von Geschichten zu seinem Vorteil nutzen, diese verzaubern nicht nur die Kleinsten.

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